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Digitaler Nachlass: Konten, Daten und Zugang

Erbrecht · Vermögensnachfolge · Private Clients

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Rechtsanwalt Dr. Hannes Hartung · Steuerberater Sascha Woellke · Rechtsanwältin Karolina Bick

Kapitel 7

Digitaler Nachlass

Onlinekonten, Cloudspeicher, soziale Netzwerke, Domains, Krypto-Werte und digitale Vertragsbeziehungen gehören heute zwingend in jede Nachlassplanung.

Was geht auf die Erben über?

Nach dem Grundsatz der Universalsukzession gehen grundsätzlich auch digitale Vertragsverhältnisse und vermögensrechtliche Positionen über. Das kann Nutzungsverträge, E-Mail-Konten, Social-Media-Konten, Onlinearchive, Domains, Guthaben, digitale Inhalte und Krypto-Assets betreffen. Höchstpersönliche Inhalte und datenschutzrechtliche Positionen erfordern differenzierte Prüfung, schließen den Zugang der Erben aber nicht pauschal aus.

Zugang ist nicht dasselbe wie Berechtigung

Passwörter und Gerätezugang erleichtern die Abwicklung, ersetzen aber keine erbrechtliche Berechtigung. Umgekehrt kann ein Anspruch gegen den Anbieter bestehen, obwohl Zugangsdaten fehlen. Zwei-Faktor-Authentifizierung, verschlüsselte Datenträger und Hardware-Wallets schaffen praktische Hürden.

Vorsorge

  • Verzeichnis relevanter Konten und Vermögenswerte führen,
  • Passwortmanager mit Notfallzugang nutzen,
  • Bevollmächtigten und digitalen Testamentsvollstrecker bestimmen,
  • zwischen Löschen, Archivieren, Übertragen und Memorialisieren unterscheiden,
  • Recovery-Informationen für Krypto-Werte getrennt und sicher verwahren.

Die letztwillige Verfügung sollte keine Passwörter enthalten. Besser sind getrennte, aktualisierbare Zugangssysteme und klare Handlungsanweisungen.

§ 1922 BGB; ergänzend Vertrags-, Datenschutz-, Urheber- und Telekommunikationsrecht.

Hinweis: Allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind Rechtsstand und Umstände des Einzelfalls.

Redaktionsgrundlage: Olzen/Looschelders, Erbrecht, 6. Aufl. 2020; eigenständige Zusammenfassung und Aktualisierung, Stand 16. September 2026.

Vertiefung

Was zum digitalen Nachlass gehört

Zum digitalen Nachlass zählen nicht nur soziale Netzwerke. Er umfasst E-Mail-Postfächer, Cloudspeicher, Messenger, Domains, Onlinehandel, Abonnements, Bonusprogramme, Kryptowährungen, digitale Werke, Geräte und die dazugehörigen Vertragspositionen. Grundsätzlich gehen vererbliche Vertragsverhältnisse auf die Erben über. Datenschutz und Fernmeldegeheimnis schließen den Zugang der Erben nicht pauschal aus; konkrete Plattformbedingungen und höchstpersönliche Inhalte können dennoch besondere Fragen aufwerfen.

Inventar statt Passwortliste

Eine Vorsorgeübersicht sollte Dienste, Benutzernamen, Vertragszweck, Zahlungswege und gewünschte Behandlung nennen. Passwörter gehören nicht unverschlüsselt in ein Testament, weil dieses nach dem Erbfall Beteiligten zugänglich wird. Sinnvoller ist ein sicher verwahrter Passwortmanager mit Notfallzugang oder ein getrennt aufbewahrter Schlüssel. Die Dokumentation muss regelmäßig aktualisiert werden.

Kryptowerte und technische Verfügungsgewalt

Bei Kryptowerten reicht die zivilrechtliche Erbenstellung praktisch nicht aus, wenn Seed Phrase oder private Schlüssel fehlen. Umgekehrt ermöglicht technische Kenntnis allein keine rechtmäßige Entnahme. Vorsorge muss daher Eigentumszuordnung, Zugang und klare Handlungsanweisungen verbinden. Bei mehreren Erben darf ein Einzelner Wallets nicht ohne Abstimmung leer übertragen.

Erste Schritte nach dem Todesfall

  1. Geräte und Zugangsmittel sichern, ohne Daten vorschnell zu verändern.
  2. Verträge, laufende Zahlungen und geschäftliche Konten priorisieren.
  3. Plattformen mit Sterbeurkunde und Erbnachweis kontaktieren.
  4. Werte archivieren, übertragen oder kündigen; Beweise erhalten.
  5. Persönlichkeitsrechte Dritter und Geheimhaltungspflichten beachten.

Eine digitale Vollmacht kann die Abwicklung erleichtern, muss aber zur erbrechtlichen Gesamtlösung passen. Sie sollte festlegen, ob sie über den Tod hinaus gilt und welche Konten gelöscht, erhalten oder übertragen werden sollen.

Vollständiger Praxisüberblick

Vorsorgevollmacht und digitale Anordnung

Eine allgemeine Vorsorgevollmacht sollte digitale Vermögenswerte und Kommunikationskonten ausdrücklich erfassen. Zusätzlich kann eine praktische Anordnung festlegen, welche Daten erhalten, an Angehörige übergeben, archiviert oder gelöscht werden sollen. Vollmacht und Testament dürfen sich nicht widersprechen.

Geschäftliche Daten

Bei Unternehmern, Freiberuflern und Kreativen enthalten E-Mail, Cloud und Geräte oft Mandanten-, Kunden- oder Mitarbeiterdaten. Erben müssen Datenschutz, Berufsgeheimnisse und vertragliche Vertraulichkeit beachten. Zugriffsrechte sollten auf geeignete Personen begrenzt und geschäftliche von privaten Daten getrennt werden.

Plattformregeln und Gedenkzustand

Anbieter sehen unterschiedliche Verfahren für Todesfälle vor. Manche ermöglichen Gedenkzustand, Download oder Kontolöschung, andere verlangen Erbnachweise und gerichtliche Anordnungen. Vertragsbedingungen ändern sich; eine Vorsorgeliste sollte daher nicht nur Passwörter, sondern auch gewünschte Behandlung und Supportwege enthalten.

Beweissicherung

Vor Löschung oder Veränderung sind wirtschaftlich und rechtlich relevante Daten zu sichern. Screenshots allein reichen für komplexe Transaktionen möglicherweise nicht. Exportdateien, Transaktionshistorien, Metadaten und Geräteprotokolle können notwendig sein. Bei Streit empfiehlt sich forensisch nachvollziehbare Sicherung.

Jährlicher Digital-Check

  • Konten- und Geräteliste aktualisieren.
  • Passwortmanager und Notfallzugang testen.
  • Wallets und Wiederherstellungsinformationen prüfen.
  • Vollmacht und Löschwünsche abstimmen.
  • Geschäftliche Geheimnisse gesondert schützen.

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