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Kapitel 7
Der Erbschaftskauf
Der Verkauf einer angefallenen Erbschaft ist ein gesetzlich besonders geregelter Vertrag. Er unterscheidet sich vom Verkauf einzelner Nachlassgegenstände und vom Erbteilskauf.
Gegenstand und Form
Gegenstand ist die dem Verkäufer angefallene Erbschaft als Ganzes. Der Vertrag bedarf notarieller Beurkundung. Davon zu unterscheiden ist die Verfügung über einen Miterbenanteil nach § 2033 BGB, die ebenfalls notariell beurkundet werden muss, sowie der formabhängige Verkauf einzelner Gegenstände.
Innenverhältnis
Der Verkäufer muss die zur Erbschaft gehörenden Gegenstände übertragen und herausgeben. Nutzungen, Surrogate, Verwendungen, Nachlassverbindlichkeiten und bereits vorgenommene Verfügungen werden nach den besonderen Regeln der §§ 2371 ff. BGB abgerechnet. Die Gewährleistung ist gegenüber dem allgemeinen Kaufrecht modifiziert.
Außenverhältnis und Haftung
Der Erbschaftskäufer wird nicht allein durch den Kauf materiell-rechtlicher Erbe. Gegenüber Nachlassgläubigern bleibt die Stellung des Verkäufers bedeutsam; daneben kann eine gesetzliche Haftung des Käufers eintreten. Gläubiger, Grundbuch und Vertragspartner müssen getrennt betrachtet werden.
Vorkaufsrecht der Miterben
Verkauft ein Miterbe seinen Erbteil an einen Dritten, können die übrigen Miterben unter Voraussetzungen ein gesetzliches Vorkaufsrecht nach §§ 2034 ff. BGB ausüben.
§§ 2371–2385 BGB · §§ 2033–2037 BGB.
Redaktionsgrundlage: Olzen/Looschelders, Erbrecht, 6. Aufl. 2020; eigenständige Zusammenfassung und Aktualisierung, Stand 16. September 2026.
Vertiefung
Gegenstand und Form des Erbschaftskaufs
Beim Erbschaftskauf verkauft der Erbe die ihm angefallene Erbschaft als Ganzes. Davon zu unterscheiden ist der Verkauf eines einzelnen Nachlassgegenstands und die Übertragung eines Erbteils durch einen Miterben. Sowohl der Erbschaftskauf als auch die Erbteilsübertragung bedürfen notarieller Beurkundung. Der Vertrag überträgt nicht automatisch jeden Gegenstand dinglich; für Grundbuch, Konten oder Gesellschaftsanteile können zusätzliche Vollzugsschritte erforderlich sein.
Haftung zwischen Verkäufer und Käufer
Der Verkäufer muss den vorhandenen Nachlass herausgeben und haftet nach den besonderen gesetzlichen Regeln. Der Käufer trägt im Innenverhältnis typischerweise die Nachlassverbindlichkeiten. Gegenüber Nachlassgläubigern bleibt die Außenhaftung jedoch gesondert zu prüfen; Vertragsklauseln beseitigen gesetzliche Gläubigerrechte nicht ohne Weiteres. Ein vollständiges Nachlassverzeichnis und klare Regelungen über unbekannte Schulden sind deshalb zentral.
Erbteilskauf in der Erbengemeinschaft
Verkauft ein Miterbe seinen Erbteil an einen außenstehenden Dritten, steht den übrigen Miterben grundsätzlich ein gesetzliches Vorkaufsrecht zu. Es kann den Eintritt familienfremder Personen in die Gemeinschaft verhindern, muss aber rechtzeitig und zu den vereinbarten Bedingungen ausgeübt werden. Der Erwerber tritt in die gesamthänderische Beteiligung ein; er erwirbt keinen unmittelbaren Bruchteil an jedem einzelnen Nachlassgegenstand.
Prüfung vor der Beurkundung
- Erbenstellung, Ausschlagungen und Verfügungsbeschränkungen nachweisen.
- Aktiva, Passiva, Steuer- und Pflichtteilsrisiken offenlegen.
- Nutzungen, Entnahmen und Kosten seit dem Erbfall abrechnen.
- Kaufpreisanpassung für unbekannte Vermögenswerte oder Schulden regeln.
- Vollmachten, Besitzübergang und erforderliche Zustimmungen festlegen.
Wirtschaftlich ist der Erbschaftskauf oft ein Risikogeschäft. Der Preis sollte nicht nur den sichtbaren Nettovermögenswert, sondern Informationslücken, Liquidität und Durchsetzungskosten abbilden.
Vollständiger Praxisüberblick
Steuern und wirtschaftliche Risiken des Erbschaftskaufs
Der Erwerb einer Erbschaft oder eines Erbteils kann ertrag-, grunderwerb- und erbschaftsteuerliche Bezüge haben. Welche Steuer ausgelöst wird, hängt von Gegenstand, Beteiligten und Vertragsgestaltung ab. Bei Grundstücken innerhalb einer Erbengemeinschaft gelten Sonderregeln und Befreiungstatbestände, deren Voraussetzungen genau geprüft werden müssen.
Gewährleistung und Offenlegung
Der Verkäufer haftet nicht wie beim gewöhnlichen Kauf jedes einzelnen Gegenstands. Der Vertrag sollte dennoch bekannte Vermögenswerte, Schulden, Prozesse, Pflichtteile und Steuerrisiken offenlegen. Garantien können sich auf Erbenstellung, fehlende Verfügungen, Vollständigkeit übergebener Unterlagen und bestimmte Mindestwerte beziehen.
Kaufpreis und Anpassung
Bei unklarer Masse bieten sich Kaufpreisanpassung, Einbehalt oder Treuhand an. Später entdeckte Vermögenswerte und Verbindlichkeiten brauchen eine eindeutige Zuordnung. Auch Nutzungen und Entnahmen zwischen Erbfall und Übergang sind abzurechnen.
Vollzug
Der Notarvertrag sollte Vollmachten, Übergabestichtag und Mitwirkung bei Banken, Grundbuch und Gesellschaften enthalten. Beim Erbteilskauf sind die übrigen Miterben über ihr Vorkaufsrecht zu informieren. Die Abtretung einzelner Nachlassforderungen ersetzt nicht die Übertragung des gesamten Erbteils.
